Dies ist der Blog der Regionalstelle für Ehe, Familie und Alleinerziehende im Münchner Osten. Hier werden regelmäßig Informationen der Regionalstelle und spirituelle Impulse für Familien veröffentlicht. Nähere Informationen zu mir und dem Fachbereich Ehe und Familie der Erzdiözese München und Freising finden sie unter: www.ehe-und-familie.info und auf Facebook: www.facebook/eheundfamilie
Montag, 8. Februar 2016
Liebe Besucherinnen und Besucher auf meinem Blog,
in vielen Pfarreien unserer Erzdiözese finden am Valentinstag Gottesdienste und Andachten unterschiedlicher Art statt. Eine erster Bericht steht schon auf der Homepage der Diözese:
www.erzbistum-muenchen.de
Die komplette Liste findet ihr auch auf meiner Facebook - Seite:
www.Facebook/eheundfamilie.de
Die Seite wird auch angezeigt, wenn man nicht auf Facebook angemeldet ist.
Wenn nun kein Gottesdienst in Eurer Nähe ist oder Ihr lieber zu Hause bleibt, aber trotzdem den Valentinstag feierlich begehen wollt, dann findet Ihr hier auf meinem Blog zwei Vorschläge.
Ihr könnt entweder einfach einen davon auswählen und miteinander lesen. Oder Ihr sucht Euch einzelne Texte daraus und lest sie gegenseitig vor. Oder Ihr bleibt bei einem Text hängen und kommt darüber ins Gespräch.
Oder...
Viel Freude dabei!
Andacht 1 zum Valentinstag
Gebet für Liebende
(neues Gotteslob Nummer 16, 1) (kann abwechselnd gebetet werden)
Guter
Gott, ich bin glücklich.
Es
gibt einen Menschen, der mich liebt.
Er
kommt mir entgegen.
Er
sieht mich an.
Er
nimmt mich in die Arme.
Er
hört mir zu.
Er
antwortet mir.
Er
spricht zu mir.
Guter
Gott, ich bin glücklich.
Es
gibt einen Menschen, den ich liebe.
Langsam
entsteht sein Bild vor mir mit Licht und Schatten.
Ich
habe viele Namen für ihn.
Ich
vertraue ihm, ich fühle mich bei ihm geborgen,
ich
überlasse mich ihm.
Guter
Gott, ich danke,
dass
wir miteinander glücklich sind.
Ich
bitte dich, lass uns in unserer Liebe nicht allein!
Wir
können nur unbeschwert glücklich sein,
wenn
die Verantwortung für uns bei dir liegt.
Bewahre
du uns.
Kohelet 4, 9-12
Denn wenn
sie hinfallen, richtet einer den anderen auf. Doch wehe dem, der allein ist,
wenn er hinfällt, ohne dass einer bei ihm ist, der ihn aufrichtet.
Außerdem:
Wenn zwei zusammen schlafen, wärmt einer den andern; einer allein - wie soll er
warm werden?
Und wenn
jemand einen Einzelnen auch überwältigt, zwei sind ihm gewachsen und eine
dreifache Schnur reißt nicht so schnell.
Gedanken zum Bibeltext
Zwei
sind besser als einer allein. Ist das wirklich so? manch einer hat da Zweifel:
Die
Ehe ist der Versuch, zu zweit mit Problemen fertig zu werden, die man alleine
nie gehabt hätte (Woody Allen).
Das
stimmt schon: wäre ich allein, bräuchte ich keinen Familien-Kalender. Ich
müsste nicht Rücksicht nehmen, ob und wann ich einen Termin annehme. Ich müsste
mich über nichts mehr ärgern, was ein anderer tut oder nicht tut, sagt oder
nicht sagt.
Wäre
ich allein, würde mich am Abend niemand am Schlafen hindern und am Morgen
niemand aufwecken.
Wäre
ich allein, wäre am Abend niemand da, der mir eine gute Nacht wünschte und am
Morgen niemand, der mir einen Morgenkuss gäbe.
Niemand
wäre da, der Wärme und Leben in meinen Alltag bringen würde.
Ich
müsste niemandem zuhören, aber es würde mir auch niemand zuhören.
Es ist nicht gut, dass der Mensch allein
ist.
Dieser
Satz aus dem ersten Buch der Bibel gilt wohl doch uneingeschränkt.
Auch
wenn ich manchmal Probleme habe, die ich alleine nie hätte, wäre die Einsamkeit
doch eine viel größere Schwierigkeit.
Darum
danke ich Dir heute, dass Du da bist.
Darum
möchte ich mich jeden Tag freuen, dass ich Dich sehen kann.
Und
wenn der Alltag mir zu schwer wird, dann weiß ich, ich bin nicht allein.
Außerdem
ist da noch das Wort von der dreifachen Schnur. Die dritte Schnur, die unser
Leben durchzieht, das bist Du, unser Gott.
An
Dich darf ich mich wenden, wenn ich nicht mehr weiter weiß.
Dir
darf ich mich anvertrauen, wenn alles sinnlos erscheint.
Lied zum Segen
(kann gesungen oder gebetet werden)
Gotteslob
Nr. 451
Komm,
Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen,
sondern
überall uns zu dir bekennen.
Nie
sind wir allein, stets sind wir die Deinen.
Lachen
oder Weinen wird gesegnet sein.
Keiner
kann allein Segen sich bewahren.
Weil
Du reichlich gibst, müssen wir nicht sparen.
Segen
kann gedeihn, wo wir alles teilen,
schlimmen
Schaden heilen, lieben und verzeihn.
Frieden
gabst Du schon, Frieden muss noch werden,
wie
Du ihn versprichst uns zum Wohl auf Erden.
Hilf,
dass wir ihn tun, wo wir ihn erspähen;
Die mit
Tränen säen, werden in ihm ruhn.
Andacht 2 zum Valentinstag
Gebet der Liebenden
Vater,
ich danke Dir, dass du uns füreinander geschaffen hast, dass wir uns begegnet
sind und einander lieben. Lass die Liebe in uns wachsen, damit wir uns immer
besser verstehen und uns gegenseitig glücklich machen.
Alle
wahre Liebe stammt von dir und führt zu dir. Du hast unserm Leben durch diese
Liebe einen neuen Inhalt und ein neues Ziel gegeben. Zeig uns den richtigen Weg
zu diesem Ziel und hilf uns ihn gehen.
- Korintherbrief, 13
Wenn ich in
den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre
ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke.
Und wenn ich
prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte;
wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber
die Liebe nicht, wäre ich nichts.
Und wenn ich
meine ganze Habe verschenkte und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte
aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts.
Die Liebe
ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht,
sie bläht sich nicht auf.
Sie handelt
nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen,
trägt das Böse nicht nach.
Sie freut
sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit.
Sie erträgt
alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand.
Die Liebe
hört niemals auf. Prophetisches Reden hat ein Ende, Zungenrede verstummt,
Erkenntnis vergeht.
Denn
Stückwerk ist unser Erkennen, Stückwerk unser prophetisches Reden;
wenn aber
das Vollendete kommt, vergeht alles Stückwerk.
Als ich ein
Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind und urteilte wie ein
Kind. Als ich ein Mann wurde, legte ich ab, was Kind an mir war.
Jetzt
schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber
schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann
aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch
erkannt worden bin.
Für jetzt
bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist
die Liebe.
Gedicht zum Bibeltext
Liebe,
ich suche Dich, wo lässt Du dich sehen?
Liebe,
ich frage mich, kannst Du mir zeigen,
den
Ort an dem ich fraglos stehen kann,
wo
ich von Anfang an,
ohne
den Kopf zu neigen,
zu
Dir in Dein Reich kann gehen?
Ich
such Dich in der weiten Welt,
in
fernen Ländern und Gezeiten,
wo
immer ich auch hingekommen,
was
habe ich von dir vernommen?
Sah Dich
ja nur von Weitem
Wo
nur steht Dein Zelt?
Ich
suche Dich in meinem Leben
Doch
find ich nur Unruh und Hast
Kann
kaum ein Ende sehen
Wohin
muss ich gehen?
Wo
finde ich Rast?
Kannst
Du den Schlüssel mir geben?
Ich
such Dich ganz innen,
in
meinem Herzen werde ich fündig.
da
hör ich die Göttliche Stimme,
unmerklich
in Gedanken sie klinge,
und
macht mich der Botschaft kundig:
In Dir
darf ich ganz neu beginnen.
(Michael
Kafka)
Lied zum Segen
(kann gesungen oder gebetet werden)
Gotteslob
Nr. 414 (letzte Strophe leicht abgewandelt)
Herr,
unser Herr, wie bist Du zugegen
und wie
unsagbar nah bei uns.
Allzeit
bist Du um uns in Sorge,
in
Deiner Liebe birgst Du uns.
Du
bist nicht fern, denn die zu dir beten,
wissen,
dass Du uns nicht verlässt.
Du
bist so menschlich in unserer Mitte,
dass Du wohl dieses Lied verstehst.
Du
bist nicht sichtbar für unsere Augen,
und
niemand hat Dich je gesehn.
Wir
aber ahnen Dich und glauben,
dass
Du uns trägst, dass wir bestehn.
Du
bist in allem ganz tief verborgen,
was
lebt und sich entfalten kann.
Doch
in den Menschen willst Du wohnen,
mit
ganzer Kraft uns zugetan.
Herr,
unser Herr, wie bist Du zugegen,
wo
nur auf Erden Menschen sind.
Bleib
gnädig bei uns mit Deinem Segen,
bis
wir in Dir vollkommen sind.
Mittwoch, 20. Januar 2016
Mittwoch, 16. Dezember 2015
Adventliches Abendgebet
Thema: in Bethlehem geboren
Einleitung
Vier
Tage sind es noch bis Weihnachten. Zeit, innezuhalten, sich bewusst zu werden,
was dieses Fest für mich, für jeden von uns bedeutet. Zeit herauszutreten aus
der Hektik der Vorbereitungen und sich mit den Hirten auf das Feld zu stellen;
mit ihren Augen auf das Geschehen von Weihnachten zu blicken.
Lied: Gottes Wort ist wie Licht in der
Nacht
Bibelstelle: Lukas 2, 1- 20
In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle
Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen.
Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius
Statthalter von Syrien.
Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu
lassen.
So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa
hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem
Haus und Geschlecht Davids.
Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner
Verlobten, die ein Kind erwartete.
Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer
Niederkunft,
und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie
wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein
Platz für sie war.
In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und
hielten Nachtwache bei ihrer Herde.
Da trat der Engel des Herrn zu ihnen und der Glanz des
Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr,
der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht,
denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden
soll:
Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren;
er ist der Messias, der Herr.
Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein
Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.
Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches
Heer, das Gott lobte und sprach:
Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden ist
Friede bei den Menschen seiner Gnade.
Als die Engel sie verlassen hatten und in den Himmel
zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Kommt, wir gehen nach
Betlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ.
So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das
Kind, das in der Krippe lag.
Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses
Kind gesagt worden war.
Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der
Hirten.
Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem
Herzen und dachte darüber nach.
Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen
ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie
es ihnen gesagt worden war.
Gesungener Rosenkranz (siehe auch auf diesem Blog)
Auslegung
Ein
Hirte von damals erzählt:
Ich
bin ein Hirte von damals, von damals in Bethlehem. Tagelang zeihe ich mit
meiner Herde umher auf der Suche nach Weideplätzen und Wasserstellen. Das ist
beschwerlich. Oft komme ich monatelang an keinem Dorf vorbei. Da ich Tag und
Nacht mit meiner Herde unterwegs bin, kann ich die Reinheitsgebote und
Sabbatgebote der Juden nicht beachten und einhalten.
Oft
verzweifle ich daran, wie die Menschen mich deswegen behandeln.
Komme
ich in eine Stadt, so werden mir nur verächtliche Blicke zugeworfen. Man traut
uns Hirten nicht. Ich darf noch nicht einmal als Zeuge vor Gericht auftreten,
weil ich als verlogen und unehrlich gelte. Ich sitze im Dunkel der Einsamkeit
außerhalb der Gesellschaft und im Dunkel der Nacht abseits der Dörfer und
Städte.
Für
uns stellt sich die Frage:
Wer
könnte heute so ein Hirte sein?
- Nicht der, der hoch oben lebt, sondern der, der ganz unten ist, abgestiegen, abgewrackt,
- Der einfach ist und unkompliziert oder eben umgekehrt: schwierig und voller Komplexe
- Der nicht mehr mitkommt mit all dem, was heute passiert,
- Der viele Fehler hat und sie verbergen muss,
- Der nicht weiß, wo er seine Schuld abladen kann und jemanden zum Reden findet,
- Der nicht weiß, woher er für alles die Kraft holen soll,
- Der kaum noch Freunde hat.
Meditation:
Für
sie alle, für die Hirten unserer Tage, ist Gott Mensch geworden:
Gott
wird Mensch
Aus
der Allmacht -
in die Ohnmacht einer Krippe
Aus
Mächten und Gewalten -
in die Wehrlosigkeit eines Kindes
Aus
der Unendlichkeit -
in die Geschichte der Welt
Aus
der Ewigkeit -
in die Endlichkeit menschlichen Lebens
Aus
der Unnahbarkeit -
in die Arme einer Mutter
Aus
nie erlöschendem Licht -
in die Dunkelheit der Heiligen Nacht
Aus
ewigem Ratschluss -
in die Heillosigkeit der Welt
Aus
göttlicher Liebe -
in die menschliche Hoffnungslosigkeit
Gott
wird Mensch
Stille
Gesungener Rosenkranz
Fürbitten:
Gott, Du bist in Jesus Christus Mensch
geworden und hast unser Leben mit allen Höhen und Tiefen geteilt. Dich bitten
wir:
Du
wurdest in einem Stall geboren, weil in der Herberge kein Platz war. Wir bitten
dich: steh allen bei, die auf der Flucht sind, die keine Heimat mehr haben oder
sich heute einsam fühlen.
Herr
Jesus Christus, bei deiner Geburt verkündeten Engel den Frieden. Wir bitten
dich: lass Frieden werden auf der ganzen Welt, besonders im Heiligen Land und
im ganzen nahen Osten.
Herr
Jesus Christus, zu deiner Krippe kamen Hirten, Menschen, die am Rande der
Gesellschaft standen. Nimm dich all jener an, die heute an den Rand gedrängt
und ausgegrenzt werden.
Herr
Jesus Christus, wir feiern bald das Fest deiner Geburt. An deine Krippe bringen
wir unsere Freude, aber auch alles, was uns bedrückt und belastet. Nimm dich
der Sorgen, Nöte und Zweifel an, die uns heute umtreiben.
Vater Unser
Gebet:
Herr,
du kommst besonders zu denen, die es im Leben schwer haben.
Manchen
machen wir das Leben schwer.
Andere
müssen sich mit widrigen Lebensumständen auseinandersetzen und damit
zurechtkommen.
Du
forderst uns an Weihnachten besonders auf, dir nachzufolgen,
neue
Wege zu gehen,
neue
Begegnungen zu suchen,
neu
auf die Menschen zuzugehen,
neu
wahrzunehmen, wie andere leben müssen,
uns
neu einzusetzen für eine bessere Welt.
Segen
Ich wünsche Dir,
dass jede Gabe, die Gott dir geschenkt hat,
wachsen möge mit den Jahren
und dass sie dir dazu diene,
die Herzen derer, die du liebst,
mit Freude zu erfüllen.
Dass du in jeder Stunde einen Freund haben mögest,
der der Freundschaft wert ist,
dem du vertrauend die Hand reichen kannst,
wenn es schwer wird,
mit dem du den Stürmen trotzen
und die Spitzen der Berge erreichen kannst.
Und dass in jeder Stunde der Freude und des Leides
Die friedensbringende Nähe
des menschgewordenen Gottessohnes
mit dir sei
und dass du in der Nähe Gottes bleiben mögest.
Montag, 14. Dezember 2015
Die zweite Station auf unserem Weg zum Weihnachtsfest erzählt von zwei
besonderen Frauen. Bei der Begegnung Marias mit Elisabeth singt Maria das
Magnificat. Dieses Lied zeigt uns auf großartige Weise, was die Botschaft von
Weihnachten ist. Dieser Botschaft wollen wir heute einmal nachspüren.
Nach einigen Tagen machte sich Maria
auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.
Sie ging in das Haus des Zacharias
und begrüßte Elisabet.
Als Elisabet den Gruß Marias hörte,
hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und
rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und
gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
Wer bin ich, dass die Mutter meines
Herrn zu mir kommt?
In dem Augenblick, als ich deinen
Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
Selig ist die, die geglaubt hat,
dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.
Da sagte Maria: Meine Seele preist
die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott,
meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd
hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir
getan und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu
Geschlecht über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm
machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;
er stürzt die Mächtigen vom Thron
und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit
seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel
an und denkt an sein Erbarmen,
das er unsern Vätern verheißen hat,
Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.
Und Maria blieb etwa drei Monate bei
ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.
Fragen zum Nachdenken:
Er vollbringt mit seinem Arm
machtvolle Taten
Wo spüre ich
das befreiende Handeln Gottes? Wo spüre ich die Unterstützung Gottes? Wo spüre
ich an meinem eigenen Tun die Kraft Gottes? Wo erkenne ich Gottes frohe
Botschaft?
Er zerstreut, die im Herzen voll
Hochmut sind;
Welches
Verhalten wirkt auf mich hochmütig, eigensinnig oder egoistisch? Wie wirkt mein
Handeln auf andere? Wie kann ich es vermeiden, auf andere hochmütig zu wirken?
er stürzt die Mächtigen vom Thron
und erhöht die Niedrigen.
Wann spüre
ich Macht? Wann wirkt Macht auf mich? Wann übe ich Macht aus? Wie kann ich mich
für schwächere Menschen einsetzen?
Die Hungernden beschenkt er mit
seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen
Sehe ich die
Not meiner Mitmenschen? Welchen Hunger, welche Sehnsüchte spüre ich in mir?
Welche Reichtümer erkenne ich in meinem
Leben?
Er nimmt sich seines Knechtes Israel
an und denkt an sein Erbarmen
Wann fühle
ich mich geknechtet, unfrei, gefangen in meinen Lebenszwängen? Wie kann ich mir
persönliche Freiräume schaffen? Wer kann mir dabei helfen?
Freitag, 4. Dezember 2015
In der Stadt Myra lebte
ein Mann namens Avaruzzo. Er wohnte am Rande der Stadt, in einem kleinen Haus
mit Garten. Sein Haus hatte offene Fenster und Türen. Wenn Kinder kamen, wurden
sie von Avaruzzo beschenkt. Erwachsene fragten ihn oft um Rat und Hilfe.
Avaruzzo hatte ein offenes Ohr und ein offenes Herz.
Eines Nachts hatte
Avaruzzo einen seltsamen Traum:
Er hörte eine Stimme: Avaruzzo
was geht dich die Not der anderen an. Denke doch mal mehr an dich! Sorge, dass
es vor allem dir gut geht. Ich weiß wie du der reichste Mann in Myra wirst.
Willst du?
Avaruzzo ist jetzt wach.
Was ist das für eine Stimme? Kommt sie von außen? Oder von innen, von seinem
eigenen Herzen? Die Stimme lockt, verlockt der Größte, der Reichste zu sein.
Der Gedanke lässt ihm keine Ruhe mehr. „Ja, ich will es“, spricht er ganz laut.
„Alles hat seinen Preis“,
sagt die Stimme. „Gib mir dein weiches Herz. Ich geb dir dafür ein hartes, ein
Herz aus Stein. Dann rührt dich keine Not mehr an. Du denkst nur mehr an dich
und du wirst groß und mächtig sein.“ So kommt es: Avaruzzo gibt sein weiches
Herz für ein Herz aus Stein.
Am nächsten Morgen hat
Avaruzzo keinen Blick mehr für den Schein der Sonne, das Singen der Vögel und
die bunten Blumen. Tür und Fenster bleiben verschlossen. Verschlossen auch
Arme, Hände, sein Herz. Für die Kinder hat Avaruzzo nichts mehr übrig, sie
fürchten ihn sogar. Die Leute, die um
Rat und Hilfe fragen werden fortgeschickt.
Avaruzzo will nur eins:
haben, haben, haben immer mehr und mehr. Ich will der Größte sein der Reichste
ich ganz allein.
Avaruzzo ist reich
geworden. Er ist aber auch ganz einsam geworden. Ohne Freunde und ohne Freude.
Jeder fürchtet ihn und macht einen weiten Bogen um sein Haus.
In Myra lebt noch ein
anderer Mann, der blickt oft hinüber zu Avaruzzo und macht sich so seine
Gedanken.
Es ist der Bischof Nikolaus.
Er denkt sich: da ist einer ganz reich, und doch arm im Herzen. Er lebt mit
allen im Streit, hat keine Freunde mehr, sein Herz ist hart, hart wie Stein.
Was kann ich tun? Wie kann ich helfen?
Nikolaus beschließt. Ich
will hingehen, so wie ein Hirte sein verlorenes Schaf sucht, so will ich gehen
und ihn suchen und besuchen.
Bischof Nikolaus klopft an
die Tür. Avaruzzo öffnet sie. „ Was willst du!“will er sagen, aber die Worte
bleiben ihm im Mund stecken. Zwei gütige Augen schauen ihn an und Nikolaus
spricht: „ Avaruzzo Friede sei mit dir!“
Dann legt Nikolaus seinen
Arm um Avaruzzos Schulter. Er umarmt ihn. Und sagt:“ Avaruzzo! Gottes Liebe
wohnt in unseren Herzen. Sie ist ausgeschüttet auch in deinem Herzen. Öffne dein Herz für diese Liebe, Gib
ihm Platz darin!“
Es geschieht ein Wunder.
Avaruzzo begreift: „Da ist einer zu mir gekommen, der es gut mit mir meint. Er
verachtet mich nicht. Er schaut mich mit Liebe an. Er gibt mir gute Worte.
Und so kam es, was so hart
in Avaruzzo war, wird ganz weich. Es ist, als fiele dem Avaruzzo der schwere
Stein vom Herzen. Er kann aufatmen. Die Liebe und Freude kehren zurück in sein
Herz. Avaruzzo hat sein menschliches Herz wieder gefunden.
Alles was verschlossen
war, wird wieder aufgemacht, das Fenster die Arme das Herz. Avaruzzo lacht in
die Welt.
Wir wollen mit Avaruzzo
dem Bischof Nikolaus danken und Gott bitten: Schenke auch uns ein gutes Herz.
Gedanken zu dieser Geschichte:
Der Heilige Nikolaus wird
jedes Jahr in der Adventszeit gefeiert. Warum eigentlich gerade im Advent?
Weil Nikolaus ein Mensch
ist, der uns tief in das Geheimnis des Advent blicken lässt. Und die Geschichte,
die wir gerade gehört haben, erzählt davon.
Denn das Geheimnis des
Advents wird an dem Reichen Avaruzzo deutlich.
Avaruzzo ist ein Mensch
wie wir alle. Eigentlich weiß er ja, worauf es im Leben ankommt. Aber da ist
diese Stimme, die ihn langsam immer mehr einnimmt. Es ist halt zu verlockend,
reich zu sein, mehr zu haben als alle anderen.
Ähnlich geht es vielen
Menschen mit dem Advent. Es herrscht ein unheimlicher Zwang, immer größere
Geschenke zu kaufen. Die Menschen übertrumpfen sich gegenseitig mit der
originellsten Weihnachtsdekoration. Es wird gebastelt, gemalt, gebacken was das
Zeug hält. Dabei geht aber das Eigentliche am Advent verloren. Was das ist,
sagt dieses Gebet:
Guter Gott
Bischof Nikolaus war ein
guter Mann
Schenke auch uns Augen und
Ohren, die Not erkennen.
Schenke auch uns ein Herz,
das bereit ist zu helfen und zu teilen.
Gib uns Hände und Füße,
die bereit sind unserem Herzen zu folgen.
Denn dann bist du mitten
unter uns. Amen.
Das Geheimnis des Advent
ist nichts Außergewöhnliches. Aber es ist etwas, was uns Menschen zu tiefst im
Herzen berührt. So wie die Umarmung des Nikolaus den Avaruzzo zutiefst im
Herzen berührt hat. Es ist etwas, das uns die Augen und Ohren öffnet und uns
bereit macht, die Not und die Freude unserer Mitmenschen zu teilen.
Deshalb ist der Namenstag
des Heilige Nikolaus ganz zu Recht im Advent, weil er dieses Geheimnis erkannt
hat. Es ist dieser Weg in unser eigenes Inneres, in unser Herz, der auch im
heutigen Evangelium angesprochen wird, wenn es heißt: Bereitet dem Herrn den Weg,
ebnet ihm die Straße.
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