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Ein Zelt der Begegnung mit Dir.

Mittwoch, 10. Juni 2015


Bericht vom evangelischen Kirchentag 2015 in Stuttgart

 

Ich fasse hier zusammen, was ich auf dem Kirchentag gesehen und gehört habe. Die hier getätigten Äußerungen entsprechen nicht automatisch der Meinung des Verfassers.

 

Zu den Veranstaltungen über Familie auf dem Kirchentag ist zu sagen, dass sie allgemein eine Frage aufwerfen: Wer diskutiert in unserer Gesellschaft über wen?

Sowohl das Podium und die Experten als auch der größte Teil der Zuhörerschaft hatten ihre aktive Familienphase (mit Kindern bis zur Oberstufe) längst hinter sich. Insgesamt wurde häufiger über Familien als mit Familien geredet. Es wurden viele - für mich als Zuhörer nicht nachvollziehbare da weder graphisch veranschaulicht noch mir vorliegend - Statistiken rauf und runter zitiert.

Dies gilt im Übrigen nicht nur für Veranstaltungen des Kirchentages.

Dennoch konnte ich einige positive bzw. spannende Aspekte mitnehmen.

 

Podiumsdiskussion zum Thema: Chance und Scheitern – wie wird Familie neu buchstabiert?


 

Wohltuend war an dieser Veranstaltung zum einen, dass hier tatsächlich Familienmenschen in unterschiedlichen Konstellationen (kinderreiche Familie, Alleinerziehende, Patchworkfamilie, homosexuelle Beziehung) zu Wort kamen. Zum anderen tat die Anwesenheit von Frau Familienministerin Schwesig als jüngste Podiumsteilnehmerin gut, die noch dazu aufgrund des Kita-Streiks früher gehen musste, damit sie die Betreuung ihrer Tochter sicherstellen konnte.

 

Essenz der Veranstaltung:

Es gibt eine Vielfalt an Beziehungs- und Familienformen, die von Menschen gelebt werden und in denen Menschen nach eigener Überzeugung glücklich werden können.

Grundprinzip aller dieser Formen ist die (bei Alleinerziehenden nicht mehr vorhandende aber ersehnte) gegenseitige Liebe zweier Erwachsener Menschen und deren Fürsorge (das soziologische Stichwort „Care“ viel hier oft) für bei ihnen aufwachsendenKinder und deren Erziehung.

Im Grunde genommen orientieren sich somit all diese Lebensformen an der klassischen Ehe zwischen Mann und Frau.

Nach einhelliger Meinung der Runde sind sie somit keine Gefahr, sondern eher eine Bestätigung für das Lebensmodell „Ehe“.

 

Podiumsdiskussion zum Thema: Arbeitszeit + Familienzeit = Lebenszeit – Gleichstellung von Frauen und Männern im Lebensverlauf


 

Bei dieser Veranstaltung treffen die oben genannten Kritikpunkte vollends zu. Es war eine Einbahnveranstaltung, auf der über die Betroffen hinweg von nicht betroffenen älteren Menschen geredet wurde.

 

Essenz: Spannend war noch die Aufarbeitung des ersten Gleichstellungsberichts der Bundesregierung durch Herrn Martin Rosowski, Hauptgeschäftsführer Männerarbeit der EKD. Er stellte fest, dass der Bericht von seinem Ansatz her das klassische Männerbild des Alleinverdieners und Ernährers der Familie vor Augen hatte. Dementsprechend werden die Defizite der Umsetzung der Gleichstellung einseitig bei den Frauen gesucht. Eigentlich müssten sie aber eher bei den Männern gesucht werden.

Als politische Maßnahmen wurden dann die Abschaffung des Ehegattensplittings zu Gunsten eines Kinderbezogenen Steuerausgleichs und eine Pflicht – Elternzeit für Männer genannt.

An die Industrie wurde der Appell gerichtet, für eine familienfreundliche Unternehmenskultur zu sorgen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Unternehmensplanung zu berücksichtigen.

Auch wurde angemerkt, dass Elternzeit von Seiten der Unternehmen fast ausschließlich als Nachteil gewertet wird. Dabei wird übersehen, dass ein Unternehmen auch von den Erfahrungen profitieren kann, die ein Mitarbeiter / eine Mitarbeiterin in dieser Zeit gemacht hat.

 

Im weitesten Sinn zu diesem Thema habe ich das folgende Buch entdeckt:

 

Jesper Juul

Mann & Vater sein

Kreuz Verlag Freiburg

ISBN: 978-3-451-61044-8

 

 

Podiumsdiskussion mit Austausch zum Thema: macht Kinder froh und erwachsene ebenso – Evangelisches Familienzentrum. Mittendrin.


 

Hier war ein deutlicher Vorteil, dass man Vertreter/innen verschiedener Familienzentren kennen lernen und mit ihnen ins Gespräch kommen konnte. Es waren Familienzentren vertreten, die entweder an eine Pfarrei und / oder an eine Kita angebunden waren. Eines entstand auch in Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde.

 

Essenz: Von Kindergärten und Horten wird heute mehr erwartet, als diese beim besten Willen leisten können. Über Erziehung und Bildung hinaus wird Beratung, Seelsorge und Austausch als Bedürfnis der Eltern genannt. Das kann aber nur geleistet werden, wenn eine KiTa zu einem Familienzentrum ausgebaut wird. Und dafür braucht es eine hauptamtliche Kraft, die Projekte initiiert und Vernetzung zwischen einzelnen Gruppen und Einrichtungen einer Gemeinde schafft.

 

 

Begegnungsabend zum Thema: Gottes Patchworkfamilie – schenken, schmecken, staunen


 

Eine Reise durch viele der christlichen Konfessionen, kabarettistisch eingeleitet durch Wolfgang Bayer, der die typischen Marotten und Fettnäpfchen der Konfessionen aufs Korn nahm.

Anschließend stellten sich Lutheraner, Katholiken, die Ausrichter der Ökumenischen Kirchentage, syrisch Orthodoxe Kirche, Zwinglianer und Reformierte vor.

 

Essenz: Nach wie vor wird viel zu oft betont, was uns voneinander trennt. Der katholische Vertreter Detlef Stäbs, Domkapitular aus Rottenburg, wiedersprach folgerichtig dem Titel „Patchworkfamilie“, denn das würde ja bedeuten, dass wir aus unterschiedlichen Familien zusammengesetzt wären. In Wirklichkeit aber seien wir doch alle Blutsverwandt, da wir alle aus dem gleichen Ursprung heraus gewachsen seien.

Alois Glück vom ZDK betonte, dass man nicht so sehr bedauern sollte, was noch nicht geht, sondern in freundschaftlicher Verbundenheit das machen sollte, was machbar ist.

 

Zu diesem Thema passendes Buch:

 

Frére John von Taizè

Eine Gemeinschaft von Freunden

Verlag Neue Stadt

ISBN: 978-3-87996-963-0

 

Montag, 4. Mai 2015


Maiandacht zum Thema Familie

Musikstück zum Einzug

 

Begrüßung, Eröffnung

 

Einführung

 

Maria, die Mutter Jesu, steht im Mai bei uns im Mittelpunkt. Eine Frau und eine Mutter also. Eine, die die Sorgen und Nöte ihrer Familie kannte. Der Alltag einer Familie war damals sicher nicht leicht. Der Haushalt ein mühsames Geschäft; die Sorge um die Kinder groß. Maria, die Familienfrau, wie war sie? Darüber möchte ich heute einmal mit Ihnen nachdenken.

 

Gebet:

 

Gütiger Gott,

in Maria hast du uns einen Menschen zum Vorbild gegeben, der die Sorgen und Nöte des Alltags kennt und mit uns teilt. Wir wollen ihr Leben bedenken und daraus lernen.

Lass uns daraus Kraft gewinnen, unseren eigenen Alltag in Familie und Beruf zu meistern.

Durch Christus unseren Herrn. Amen.

 

Musikstück

 

Schriftlesung: Lukas 2, 41-52

 

Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem.

Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach.

Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten.

Sie meinten, er sei irgendwo in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten.

Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort.

Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen.

Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten.

Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht.

Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?

Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte.

Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen.

Jesus aber wuchs heran und seine Weisheit nahm zu und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.

 

Betrachtung

 

Auf dem Weg von Jerusalem nach Nazareth wird der Knabe plötzlich vermisst. Wo treibt sich so ein Zwölfjähriger schon herum? Natürlich bei seinen Freunden. Aber nein, der Kerl ist verschwunden. Da kommt bei den Eltern Sorge auf. Sie malen sich alles Mögliche aus, was geschehen sein könnte, und gehen den Weg nach Jerusalem zurück. Doch keine Spur von ihm. In Jerusalem suchen sie drei Tage lang. Endlich finden sie ihn im Tempel. Als wäre es das selbstverständlichste von der Welt, sitzt er unter den Weisen und Gelehrten und diskutiert mit ihnen.

Klar, dass er sich jetzt Vorwürfe seiner Eltern anhören muss. Doch seine Antwort wird umgekehrt zu einem Vorwurf an die Eltern. Wie kann man nach einem suchen, von dem man wissen müsste, wo er ist. Wusstet ihr nicht, dass ich in den Bereichen meines Vaters sein muss?

Für die Eltern ist das nicht leicht zu verstehen. Für uns Eltern ist es oft nicht leicht, unsere Kinder zu verstehen. Oft sind ihnen andere Dinge wichtiger, als die eigenen Eltern. Es ist eine der größten Herausforderungen für Eltern, die Lebenswelt ihrer Kinder kennen und akzeptieren zu lernen.

Die Kinder meinen es nicht böse. Auch Jesus nicht. Er lebt in seiner Beziehung mit Gott. Der Zwölfjährige denkt sicher nicht so weit, zu überlegen, was es für seine Eltern bedeutet, wenn er einfach so verschwindet.

Wer Kinder hat, der hat auch Sorgen. Das wissen alle Väter und Mütter. Auch Maria hat das erfahren.

Und manchmal nehmen die Sorgen so überhand, dass wir meinen, an ihnen verzweifeln zu müssen.

Wir rechnen oft mit dem Schlimmsten. Welche Erleichterung ist es dann, wenn alles gut raus geht.

Aber was hilft es, die Kinder aufhalten zu wollen, wenn sie ihre eigenen Wege gehen wollen?

Bindet man sie dadurch stärker an sich?

Im Gegenteil, manchmal ist es sogar wichtig, die Kinder dazu zu ermuntern.

Ich selber bin lange zu Hause geblieben und den Weg gegangen, den meine Eltern mir geraten hatten. Bis ich dann gemerkt habe, dass es nicht der meine ist.

Als ich dann die Richtung ändern wollte und zu studieren anfing, da waren meine Eltern enttäuscht. Ich hatte lange Zeit keine enge Beziehung mehr zu ihnen. Mit meinem Vater sogar bis zu dessen Tod überhaupt keine mehr.
Ganz anders reagiert Maria. Als Jesus sagt, warum er im Tempel ist, heißt es von Ihr nur: "Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen". Wenn ich etwas bewahre, dann muss es mir wertvoll sein. Maria wertschätzt, was Jesus tut. Sie lässt ihn seinen Weg gehen und geht mit.

Manchmal denke ich heute darüber nach, wie ich einmal als Vater sein werde. Werde ich es schaffen, meine Tochter den Weg gehen zu lassen, den sie will? Werde ich vermeiden können, sie in die eine oder andere Richtung zu drängen? Werde ich immer einen guten Draht zu ihr haben?

Wie finde ich den goldenen Mittelweg, um ein guter Ratgeber zu sein?

Auch wenn unsere Kinder einmal Irrwege einschlagen –

Sie haben unsere Liebe verdient. Wir dürfen zuversichtlich sein, dass ihr Weg letztlich doch an ein gutes Ende führt. Wenn wir meinen, nichts mehr tun zu können und keinen Einfluss mehr zu haben, können wir immer noch für sie beten. Wir dürfen darauf vertrauen, dass sie in Gottes Hand geborgen sind.

 

 

Musikstück

 

 

Gemeinsames Gebet

 

Bedenken wir nun, was wir gehört haben, indem wir ein Gesätz aus dem Rosenkranz beten:

 

Rosenkranzgesätz: den du, o Jungfrau im Tempel wiedergefunden hast.

 

 

Fürbitten

 

Herr Jesus Christus, du Lehrer und Hirte der Menschen, wir bitten dich:

 

Um gegenseitiges Verständnis und Respekt zwischen jungen und alten Menschen.

Um Eltern und Erzieher, die jungen Menschen Werte vermitteln, aber auch den nötigen Freiraum lassen und Talente der Kinder erkennen.

 

Um Erwachsene, die Kindern und Jugendlichen ein gutes Beispiel geben.

 

Um Ermutigung und Stärkung für all jene Eltern, die es mit ihren Kindern schwer haben.

 

Um Trost und Unterstützung für die minderjährigen Flüchtlinge, die zu uns kommen.

 

Um Hilfe für die vielen Familien, die  zur Zeit auf der Flucht vor Verfolgung und Krieg sind.

 

Um den Mut zum Neuanfang, wo Familien zu zerbreche drohen.

 

Dir, unserem Herrn, gebühren Dank und Ruhm und Ehre heute und in Ewigkeit. Amen.

 

Magnifikat aus dem Gotteslob:

 

Respons: 650, 3

Magnifikat: 634, 4

 

Musikstück

 

 

 

 

 

 

Segen

 

Herr unser Gott, Du hast Maria berufen, die Mutter Deines Sohnes zu sein. Rufe auch uns in Deinen Dienst.

 

Herr Jesus Christus, mit Dir ist Maria auf dem Weg gewesen, durch Leben, Tod und Auferstehung. Begleite auch uns auf unserem Weg bis zum Ende.

 

Herr unser Gott, Du hast Maria zum Segen für uns alle gemacht. Segne Du auch uns.

 

Und so segne uns der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

Schlusslied

 

Maria breit den Mantel aus (Gotteslob Nr. 534)

 

Mittwoch, 29. April 2015

Assisi Familienwallfahrt
vom 01.09. bis 06.09.2015. Zu Franziskus und Klara – „Zwei, die alles auf den Kopf stellen“.
Die Mindestanzahl der Teilnehmer ist noch nicht erreicht!...
Bitte jetzt anmelden, wer noch mit will!
Informationen unter www.ehe-und-familie.info


Donnerstag, 16. April 2015

Integration, Inklusion - was ist das, wie geht das?
Integration ist ein Thema, das in vielen Zusammenhängen im Gespräch ist: in der KiTa, in der Pfarrgemeinde, im Dakanat(srat).
Ich habe mir darüber einige Gedanken gemacht und ein Impulsreferat ausgearbeitet.
Wenn Ihr das Thema aufgreifen und eine Veranstaltung dazu machen wollt, könnt Ihr jederzeit auf mich zukommen.

mkafka@ebmuc.de

Samstag, 4. April 2015


Emmausgang

Einleitung:

Am Tag nach Ostern gingen zwei Jünger von Jerusalem nach Emmaus. Jesus unterwegs hatten sie eine  unerwartete Begegnung. Ich muss mich auf den Weg machen, damit ich unerwartetes erleben kann. Zu Hause begegne ich nur meinem Alltag. Deshalb gehen wir heute hinaus und lassen uns inspirieren, von der Natur, den Texten der Bibel und von Gedanken von Frére Roger. Ich habe sie bewusst ausgewählt, dieses Jahr ist es zehn Jahre her, dass Frére Roger gestorben ist und er würde heuer am 12. Mai seinen 100. Geburtstag feiern.

An jeder Station hören wir einen Text von ihm und einen Impuls von zwei Kindern vorgetragen. Wir setzen unseren Weg fort mit einem Lied. Nach einem kurzen Stück Weg lade ich sie ein, miteinander über die Impulse ins Gespräch zu kommen.

Wir beginnen mit einem Gebet von Frére Roger:

Auferstandener Jesus, du siehst, dass ich manchmal verloren,

wie fremd auf der Erde bin.

Aber in meiner Seele brennt ein Durst,

er ist Erwartung deiner Gegenwart.

Und mein Herz bleibt unruhig, bi es dir, Christus,

alles übergibt, was es fern hielt von Dir.

Amen.

 

Lied:  Meine Hoffnung und meine Freude

 

  1. Station

 

Evangelium:

 

Am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist.

Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.

 

Frére Roger:

 

In jedem Menschen findet sich ein Stück Einsamkeit, das keine menschliche Nähe auszufüllen vermag.

Und dennoch bist du nie allein. Lass dich ausloten bis in dein innerstes Sein, und du wist sehen, dass in der Tiefe deines Wesens, dort wo kein Mensch dem anderen gleicht, Christus dich erwartet. Und das unerwartete geschieht.

Christus ist nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen. Wenn du in der Stille deines Herzens lauschst, begreifst du, dass er die menschliche Kreatur niht demütigt, sondern auch noch das Beunruhigendste in dir verklärt.

Sollte dir unbehaglich werden, sobald du dich selbst entdeckst? Aber wer könnte dich verurteilen, wenn Jesus für dich betet? Wolltest du dich für alles anklagen, was dich umtreibt – deine Tage und Nächte reichten nicht aus.

Stellen sich Anfechtungen ein oder trifft dich Unverständnis vonseiten anderer, so vergiss nicht, dass aus derselben Wunde, in die die Unruhe eindringt, auch schöpferische Lebenskräfte erwachsen. Und es öffnet sich ein Durchlass, der vom Zweifel zum Vertrauen, von Fruchtlosigkeit zu schöpferischer Entfaltung führt.

 

Kind:

Ist der Weg auch lang und schwer, sehe ich das Ziel manchmal nicht mehr:

Ich fürchte mich nicht!

Ich gebe nicht auf!

Ich gehe weiter meinen Weg.

 

Lied:  Bleibet hier und wachet mit mir

 

2.    Station


 

Evangelium:

 

Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen.

Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, sodass sie ihn nicht erkannten.

Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen,

und der eine von ihnen - er hieß Kleopas - antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?

Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Wort und Tat vor Gott und dem ganzen Volk.

Doch unsere Hohenpriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen.

Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist.

Aber nicht nur das: Auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab,  

fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe.

Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht.

Da sagte er zu ihnen: Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben.

Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?

Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.

 

Frére Roger:

 

In seinem Evangelium sagt Johannes in einer überwältigenden Eingebung mit drei Wörtern, wer Gott ist: „Gott ist Liebe“. Wenn wir allein diese drei Wörter begreifen, kommen wir weit, sehr weit.

Was fesselt uns an diesen Worten? Dass wir in ihnen einer hellen, klaren Gewissheit begegnen: Gott hat Christus nicht auf die Erde gesandt, um irgend jemanden zu verurteilen, sondern damit sich jeder Mensch geliebt weiß und einen Weg in Gemeinschaft mit Gott finden kann.

Aber warum ergreift die Einen Staunen über eine Liebe, wissen sie sich geliebt, ja überglücklich? Und warum haben andere den Eindruck, wenig Beachtung zu finden?

Könnte es jeder begreifen: Gott begleitet uns bis in unsere unergründliche Einsamkeit. Zu jedem sagt er: „zu zählst viel in meinen Augen, du bist wertvoll für mich und ich liebe dich“. Ja, Gott kann nur seine Liebe schenken, darin liegt das ganze Evangelium.

Kurz vor seinem Tod versichert Jesus den Seinen, dass ihnen Tröstung zuteil wird: Er wird ihnen den Heiligen Geist senden, der ihnen Beistand und Tröster und stets nahe sein wird.

Auch heute sagt er leise im Herzen eines jeden Menschen: Ich lasse dich niemals allein, ich sende dir den Heiligen Geist, selbst wenn du tief verzweifelt bist, bleibe ich bei dir.

Den Trost des Heiligen Geistes zu empfangen heißt darauf aus sein, sich in Stille und Frieden ihm zu überlassen. Wenn dann manchmal Schlimmes geschieht, wird es möglich, darüber hinwegzukommen.

Und schon befinden wir uns auf einem Weg der Hoffnung. Gott lässt uns nicht allein. Er lässt uns auf eine Gemeinschaft zugehen, jene Gemeinschaft der Liebe, die die Kirche ist, so geheimnisvoll und so unentbehrlich zugleich.

 

Kind:

 

Jesus geht mit uns, auch wenn wir ihn nicht sehen.

Wo wir auch sind, wir können seine Nähe spüren.

Wenn wir uns anderen Menschen öffnen und in Ihnen ein Abbild Gottes erkennen, ist er da.

 

Lied:  Geh mit uns

 

3.    Station


 

Evangelium:

 

So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen, aber sie drängten ihn und sagten:

Bleib doch bei uns; denn es wird bald Abend, der Tag hat sich schon geneigt. Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.

Und als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen.

Da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr.

Und sie sagten zueinander: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?

Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt.

Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.

Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.

 

Frére Roger:

 

Umzingelt dich das Unbegreifliche? Wenn die Nacht undurchdringlich wird, ist seine Liebe ein Feuer. Von dir hängt es ab, ob du auf dieses Licht schaust, das in der Finsternis leuchtet, bis sich die erste Morgenröte zeigt und der Tag anbricht in deinem Herzen.

Du weißt genau: nicht du schaffst diese Quelle des Lichts, sie kommt von Christus.

Unerwartet zieht die Liebe Gottes vorüber, wie ein Blitz durchstreift der Heilige Geist jeden Menschen in der Nacht. Durch diese geheimnisvolle Gegenwart stützt dich der Auferstandene, er kümmert sich um alles und nimmt selbst schwere Bedrängnis auf sich.

Erst nachträglich, manchmal viel später, begreifst du, dass es nie an seiner Überfülle fehlt. Und du sagst: Brannte mir nicht das Herz, während er zu mir sprach?

Bleibst du dem Auferstandenen nahe, auch ohne ihn recht zu erkennen, in langen Zeiten der Stille, in denen sich nicht zu ereignen scheint?

Hier werden starke Entscheidungen erwogen. Hier bleibt kein Raum für unschlüssiges Hinterfragen.

Sag es ihm, wenn du kaum begreifst, was er von dir erwartet. Sag ihm alles im schlichten Gebet, auch das Unsägliche.

 

Kind:

 

Ich will brennen für dich, will begeistert sein!

Ich will Ausschau halten nach jedem noch so kleinen Aufblitzen des Heiligen Geistes.

 

Lied: Wo zwei oder drei

 

Vater Unser

 

Gebet:

 

Auferstandener, wenn wir uns schlicht danach sehnen, deine Liebe zu empfangen, entzündet sich mit der Zeit zutiefst in uns eine Flamme. Diese Flamme, die der Heilige Geist nährt, mag zunächst flackern. Unerhört ist es, dass sie immer brenn ob wir es wissen oder nicht. Wenn wir begreifen, dass du uns liebst, wird uns das Vertrauen des Glaubens zum Lied.

 

Segen

 

 

Montag, 23. März 2015


5. Fastenimpuls: Erlösung


Erlösung, von was?

Bin ich nicht ein freier Mensch und an nichts gebunden?

Wozu also muss ich erlöst werden?

Jesus sagt:

Sorgt euch nicht um euer Leben und darum dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung?

 

Als freier Mensch wird jeden Tag verlangt, dass ich Entscheidungen treffe. Das ist nicht immer einfach. Ich brauche dazu etwas, woran ich mich orientieren kann. Doch wie finde ich solche Orientierungspunkte?

Oft orientiere ich mich an weltlichen Vorgaben: Werbung, Lifestyle, Zeitschriften, Fernsehen.

Ich finde dort Ideale der Schönheit, der Lebensführung, wie ich meine Umgebung gestalten kann.

Aber was, wenn ich diesen Idealen nicht entspreche?

 

Eine Geschichte:

Ein Löwe war auf Beutezug und fing eine Maus. Die Maus bettelte um Gnade: „lieber Löwe, lass mich gehen, ich könnte Dir ja noch einmal nützlich sein!“ Der Löwe lachte und sprach: „wie willst Du kleines Tier mir starkem Löwen nützen?“ „Gib mir einen Monat, und ich will es dir beweisen. Wenn nicht, kannst du mich immer noch fressen“.

Einige Tage später geriet der Löwe in ein Netz, das Wilderer an einem Baum befestigt hatten. Er war gefangen und so sehr er auch an den Tauen zerrte, er kam nicht frei.

Da kam die Maus des Weges und kletterte hinauf zu dem Seil, das das Netz hielt. Sie knabberte daran, bis es nachgab, das Netz fiel zu Boden und der Löwe war frei.

 

Jeder Mensch hat Stärken, auch wenn sie nicht auf den ersten Blick sichtbar sind.

Wenn ich meine Stärken kenne und diese auch von anderen wertgeschätzt werden, dann kann ich mich von überzogenen Idealen befreien. Dann wirkt der befreiende Geist Gottes in mir.

 

Was ist demnach für mich Erlösung?

Wovon muss ich mich frei machen, um gut leben zu können?

Welche meiner Stärken helfen mir dabei?

Samstag, 21. März 2015




...und führe uns nicht in Versuchung - Bausteine für ein Andacht in der Familie

Bibelstelle:  Jakobus 1,13-17

Keiner, der in Versuchung gerät, soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung geführt. Denn Gott kann nicht in die Versuchung kommen, Böses zu tun, und er führt auch selbst niemand in Versuchung.



Jeder wird von seiner eigenen Begierde, die ihn lockt und fängt, in Versuchung geführt.

Wenn die Begierde dann schwanger geworden ist, bringt sie die Sünde zur Welt; ist die Sünde reif geworden, bringt sie den Tod hervor.

Lasst euch nicht irreführen, meine geliebten Brüder;

jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Gestirne, bei dem es keine Veränderung und keine Verfinsterung gibt.

Aus freiem Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit geboren, damit wir gleichsam die Erstlingsfrucht seiner Schöpfung seien.



Auslegender Text:

Eine kleine Palme wuchs kräftig am Rande einer Oase. Eines Tages kam ein Mann vorbei. Er sah die kleine Palme und konnte es nicht ertragen, dass sie so prächtig wuchs.

Der Mann nahm einen schweren Stein und hob ihn in die Krone der Palme. Schadenfroh lachend suchte er wieder das Weite. Die kleine Palme versuchte, den Stein abzuschütteln. Aber es gelang ihr nicht. Sie war verzweifelt.

Da sie den Stein nicht aus ihrer Krone bekam, blieb ihr nichts anderes übrig als mit ihren Wurzeln immer tiefer in die Erde vorzudringen, um besseren Halt zu finden und nicht unter der Last zusammenzubrechen.

Schließlich kam sie mit ihren Wurzeln bis zum Grundwasser und trotz der Last in der Krone wuchs sie zur kräftigsten Palme der Oase heran.

Nach mehreren Jahren kam der Mann und wollte in seiner Schadenfreude sehen, wie wohl verkrüppelt die Palme gewachsen sei, sollte es sie überhaupt noch geben. Aber er fand keinen verkrüppelten Baum.

Plötzlich bog sich die größte und kräftigste Palme der Oase zu ihm herunter und sagte:

„Danke für den Stein, den du mir damals in die Krone gelegt hast. Deine Last hat mich stark gemacht!“


Impulse, um ins Gespräch zu kommen:
Machen wir das auch, anderen Steine in den Weg legen? Ich muss einen ehrlichen Blick auf mein Leben werfen, um den Sinn der Versuchung zu erkennen. Kann ich das ändern?
 Oder legt uns jemand Steine in den Weg? Was sind alles Stolpersteine auf meinem Lebensweg?
Wie kann ich sie loswerden?
Wann machen sie mich stark, wie die Palme in unserer Geschichte oder wann belasten sie nur?