Dies ist der Blog der Regionalstelle für Ehe, Familie und Alleinerziehende im Münchner Osten. Hier werden regelmäßig Informationen der Regionalstelle und spirituelle Impulse für Familien veröffentlicht. Nähere Informationen zu mir und dem Fachbereich Ehe und Familie der Erzdiözese München und Freising finden sie unter: www.ehe-und-familie.info und auf Facebook: www.facebook/eheundfamilie
Samstag, 28. November 2015
Mittwoch, 14. Oktober 2015
Zu Gast im Haus des Herrn – die schwedische Nationalkirche
In diesem Jahr führte uns unser Familienurlaub nach Schweden. Wir waren
18 Tage lang mit dem Wohnmobil unterwegs durch dieses schöne Land. Als an Kunst
und Kultur interessierte Menschen haben wir dabei auch viele Kirchen besucht.
Wir lernten viel über die schwedische Kirche, das uns inspirierte und das ich
hier weitergeben möchte.
Die schwedische Nationalkirche gehört zu den Kirchen der Reformation.
Jedoch hat sie, ähnlich der anglikanischen Kirche, sehr viel an der
katholischen Tradition bewahrt. Äußerlich erkennbar zeigt sich das an den
Messgewändern und dem Ablauf der Gottesdienste, aber auch theologisch ist diese
Kirche nicht so weit entfernt von der katholischen, wie andere protestantische
Kirchen.
Sie sieht sich als Brückenkirche zwischen den Konfessionen. So ergibt
sich ein schönes ökumenisches Miteinander, z.B. in Vadstena, dem Ort, an dem
die Hl. Birgitta in einer protestantischen Kirche ganz selbstverständlich von
katholischen Christen verehrt wird.
Diese Offenheit und Gastfreundschaft der schwedischen Kirche zeigt sich
aber nicht nur hier, sondern in jeder kleinen Dorfkirche in jedem noch so
kleinen Weiler.
Überall gibt es nämlich in einem Seitenschiff, einem Nebenraum oder
auch gleich neben dem Eingang einen kleinen Tisch und kleine Stühle,
Spielzeuge, Bastelmaterial und Stifte für die Kinder.
Wir haben es sehr genossen, dass sich unsere Tochter nicht langweilen
musste, während wir die Kirchen besichtigten, sondern derweil ein schönes Bild
malen oder Bauklötze spielen konnte.
Aber nicht nur für Kinder wartete eine einladende Geste; auch
Erwachsene wurden willkommen geheißen, auch wenn niemand in der Kirche war. An
der Seite oder direkt neben dem Eingang einer jeden Kirche stand ein Tisch mit
einigen Tassen, Zucker, Milch, Kaffee und manchmal auch Keksen bereit.
Es hat uns erstaunt und überrascht, wie viel Gastfreundschaft und
Offenheit solche kleinen Gesten auf den Besucher ausstrahlen.
Ich möchte nun nicht dazu aufrufen, das hier erlebte 1 : 1 zu kopieren.
Auch wenn es in der einen oder anderen Kirche sicher möglich wäre. Aber
vielleicht kann es als Anregung dienen, darüber nachzudenken, wie das Haus
Gottes auch bei uns zu einem Ort werden kann, an dem man gern zu Gast ist.
Mittwoch, 22. Juli 2015
Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Interessierte an der
Familienpastoral,
Manchmal
sind in unscheinbaren Hüllen Schätze verborgen, die man nur zu heben braucht.
Sehr gut versteckt auf der Homepage der Erzdiözese wartet so ein Schatz: der
Liturgiekalender.
Man braucht
vier Klicks, um auf den eigentlichen Liturgiekalender zu gelangen. Dann findet
man dort die Lesung(en) und das Evangelium des Tages. Ebenso wird der / die
Tagesheilige genannt.
Wenn man
möchte kann man also hier für jeden Tag des Jahres einen biblischen Impuls zum
persönlichen Nachdenken oder zum Austausch in der Familie, zum Vorlesen beim
gemeinsamen Essen oder als Gute-Nacht-Gedanke finden.
Schade, dass
diese Möglichkeit nicht bekannter und verbreiteter ist. Wenn es nach mir ginge,
sollte von jeder kirchlichen Homepage ein Link zu dieser Seite zu finden sein.
Vorbildlich
ist auch die kirchliche Jugendarbeit. Auf den Seiten aller katholischen
Jugendstellen erscheint jeden Freitag neu ein Gedanke der Woche.
Die Links zu
beiden Seiten:
Viel Freude
und gute Gedanken wünsche ich Euch / Ihnen
Michael
Kafka
Gemeindereferent
Regionalstelle
für Ehe, Familie, Alleinerziehende München Ost
Mittwoch, 15. Juli 2015
Predigt Taufe Umi
Liebe Gemeinde Jesu Christi,
Das heutige Evangelium zeigt eine erstaunliche Szene: Jesus wird in
seiner Heimatstadt abgelehnt. Zu dieser Zeit hatte er schon viele Menschen für
sich gewonnen. Seine Predigt hatte in weiten Teilen Israels Anerkennung und
Beachtung gefunden. Viele Männer und Frauen haben sich mit ihm auf den Weg
gemacht. Wenn einer aus einer bestimmten Gemeinde kommt und Erfolg hat, dann
neigen die Menschen doch normalerweise dazu, ihm Empfänge zu bereiten, ihn zu
bejubeln. Nicht so in Nazareth.
Er eckt an. Seine Lehre passt den Menschen nicht. Weil er etwas
verändern will. Weil er aufbrechen will, wo man sich gerade so wohl gefühlt
hat.
Die Leute in Nazareth kennen ihn zu gut. Das ist doch der, der bei uns
aufgewachsen ist. Nichts besonderes, nur der Sohn des Zimmermanns. Und der
redet jetzt klug und weise daher? In etwas Bekanntem etwas Neues zu entdecken,
das fällt den Menschen schwer.
Doch vielleicht glauben sie auch nur, ihn zu kennen. Wussten sie
wirklich, wer da in ihrer Nachbarschaft wohnte? Hatten sich seine Nachbarn
jemals mit ihm beschäftigt? Oder hat man ihn einfach in eine Schublade gesteckt
und alles war klar?
Der Umgang der Nazarener mit Jesus ist macht mich nicht nur
nachdenklich, wie ich eigentlich oft mit Menschen umgehe. Ah, der ist
Obdachloser, die ist Asylantin – Schublade auf, Schublade zu.
Nein, es macht mich auch nachdenklich, wie ich mit meinem Glauben
umgehe. Ich weiß doch, was ich glaube. Oder auch, was ich nicht glaube. Darüber
brauche ich doch nicht mehr nachdenken.
Aber bin ich mir in jeder Hinsicht sicher?
Ich habe in den letzten Monaten unsere Umi auf ihrem Weg zur Taufe
begleitet. In dieser Zeit musste ich mich einmal wieder intensiv damit
beschäftigen, was ich eigentlich glaube, was zu unserem Glauben dazugehört. Schließlich
wollte ich ihr ja nichts Verkehrtes oder Unvollständiges erzählen.
Dabei kam ich oft ins Grübeln. Wie erkläre ich jemandem, der nicht
schon sein ganzes Leben lang Religionsunterricht, Erstkommunionvorbereitung,
Firmvorbereitung, Predigt mitbekommen hat - noch dazu aus einem anderen, von
anderen Religionen geprägten Kulturkreis - wie erkläre ich so jemandem, warum
wir an die Auferstehung der Toten glauben oder an einen dreieinigen Gott?
Gott sei Dank war die Umi eine wunderbare Schülerin, die das alles
verstanden und dankbar aufgenommen hat. Gleichzeitig habe ich viel von ihr,
ihrem Land und ihrer Kultur gelernt.
Gerade deshalb hat es mir zu denken gegeben. Sollte ich mich, sollten
wir uns gemeinsam nicht viel öfter mit unserem Glauben auseinandersetzen? Wie
bereichernd könnte es sein, wenn ich öfter die Gelegenheit hätte, eine andere
Sicht auf die gleiche, scheinbar so vertraute Sache zu bekommen? Dann würde mir
wieder klarer, dass mein Glaubensweg nicht am Ende ist, sondern dass ich immer
noch auf dem Weg bin.
Wo kann ich Gruppen, Menschen finden, um mit ihnen einen Austausch über den Glauben zu suchen? Welche Themen des Glaubens interessieren mich besonders?
Womit habe ich meine Schwierigkeiten, womit brauche ich Hilfe?
Mittwoch, 1. Juli 2015
Exerzitien im Urlaub
Die Urlaubszeit steht kurz bevor und die arbeitenden Menschen und
Familien haben endlich wieder einmal Zeit. Zeit für sich, die sie nutzen
können. Zeit, die sie sich frei einteilen können, die keinen Terminplan kennt.
Zeit ist aber auch ein wichtiger Faktor bei der Ausübung des Glaubens.
Oft höre ich: ach ich wäre schon gerne zum Gottesdienst, zur Andacht, zu
anderen religiösen Veranstaltungen gekommen, aber ich hatte keine Zeit, ich war
zu fertig von der Arbeit, ich musste am nächsten Tag früh raus.
Im Urlaub hingegen hat man Zeit. Und nicht wenige nutzen diese, um
Kirchen zu besichtigen, Klöster zu besuchen, die Einsamkeit der Natur zu
suchen.
Mancher würde vielleicht auch gerne einen Gottesdienst besuchen,
versteht aber die Sprache des Urlaubslandes nicht.
Andere können sich nicht auf so einen konkreten Zeitpunkt einlassen,
möchten aber doch etwas Spirituelles erleben.
Darum bin ich auf die Idee gekommen, diese Exerzitien im Urlaub zu
verfassen. Klar, man möchte im Urlaub so viel wie möglich freie Zeit haben.
Deshalb beschränke ich mich auf drei kurze, konkrete Impulse und ein Gebet, das
täglich gesprochen werden kann.
Ich wünsche allen, die sich darauf einlassen, dass sie auf spirituelle
Weise neue Kraft für ihren Alltag tanken können.
Diese Impulse dürfen gerne
weitergegeben, geteilt und gepostet werden!
Michael Kafka
Gemeindereferent
Regionalstelle Ehe-Familie-Alleinerziehende München Ost
- Impuls: Suche bewusst religiöse Orte auf. Nachdem Du den Ort eine Zeit lang auf Dich wirken hast lassen, suche Dir eine ruhige Ecke. Schließe die Augen, versuche, die Umgebung auszublenden und lass einen Gedanken in Deinem Inneren wachsen. Nimm diesen Gedanken mit, zünde eine Kerze an, singe ein Lied oder sprich ein Gebet. Lasse anschließend den Ort wieder hinter Dir.
- Impuls: Geh hinaus in die Natur. Suche Dir einen Platz und konzentriere Dich ganz auf das Hören. Blende eventuelle „menschliche“ Geräusche aus. Konzentriere Dich nur auf „natürliche“ Geräusche. Nimm die Natur bewusst als Schöpfung Gottes wahr.
- Impuls: Schau auf die Menschen, die Dir begegnen. Jeder und jede von ihnen ist ein Bild und Gleichnis Gottes. Jeder und jede von ihnen hat etwas Besonderes. Versuche dieses besondere Merkmal bei einzelnen zu entdecken. Ist vielleicht ein Engel darunter?
Gebet:
Guter Gott, Du begegnest uns in Menschen, heiligen Orten und Deiner
Schöpfung. Hilf mir, jetzt, in der Urlaubszeit, bewusster wahrzunehmen, was
mich umgibt und wem ich begegne. Gib mir neue Kraft und Deinen Heiligen Geist,
damit ich meinen Alltag wieder besser bewältigen kann.
Amen.
Mittwoch, 10. Juni 2015
Bericht vom evangelischen Kirchentag 2015 in Stuttgart
Ich fasse hier zusammen, was ich auf dem Kirchentag gesehen und gehört
habe. Die hier getätigten Äußerungen entsprechen nicht automatisch der Meinung
des Verfassers.
Zu den Veranstaltungen über Familie auf dem Kirchentag ist zu sagen,
dass sie allgemein eine Frage aufwerfen: Wer diskutiert in unserer Gesellschaft
über wen?
Sowohl das Podium und die Experten als auch der größte Teil der
Zuhörerschaft hatten ihre aktive Familienphase (mit Kindern bis zur Oberstufe)
längst hinter sich. Insgesamt wurde häufiger über Familien als mit Familien
geredet. Es wurden viele - für mich als Zuhörer nicht nachvollziehbare da weder
graphisch veranschaulicht noch mir vorliegend - Statistiken rauf und runter
zitiert.
Dies gilt im Übrigen nicht nur für Veranstaltungen des Kirchentages.
Dennoch konnte ich einige positive bzw. spannende Aspekte mitnehmen.
Podiumsdiskussion zum Thema: Chance und Scheitern – wie wird Familie neu buchstabiert?
Wohltuend war an dieser Veranstaltung zum einen, dass hier tatsächlich
Familienmenschen in unterschiedlichen Konstellationen (kinderreiche Familie,
Alleinerziehende, Patchworkfamilie, homosexuelle Beziehung) zu Wort kamen. Zum
anderen tat die Anwesenheit von Frau Familienministerin Schwesig als jüngste
Podiumsteilnehmerin gut, die noch dazu aufgrund des Kita-Streiks früher gehen
musste, damit sie die Betreuung ihrer Tochter sicherstellen konnte.
Essenz der Veranstaltung:
Es gibt eine Vielfalt an Beziehungs- und Familienformen, die von
Menschen gelebt werden und in denen Menschen nach eigener Überzeugung glücklich
werden können.
Grundprinzip aller dieser Formen ist die (bei Alleinerziehenden nicht
mehr vorhandende aber ersehnte) gegenseitige Liebe zweier Erwachsener Menschen
und deren Fürsorge (das soziologische Stichwort „Care“ viel hier oft) für bei
ihnen aufwachsendenKinder und deren Erziehung.
Im Grunde genommen orientieren sich somit all diese Lebensformen an der
klassischen Ehe zwischen Mann und Frau.
Nach einhelliger Meinung der Runde sind sie somit keine Gefahr, sondern
eher eine Bestätigung für das Lebensmodell „Ehe“.
Podiumsdiskussion zum Thema: Arbeitszeit + Familienzeit = Lebenszeit – Gleichstellung von Frauen und Männern im Lebensverlauf
Bei dieser Veranstaltung treffen die oben genannten Kritikpunkte
vollends zu. Es war eine Einbahnveranstaltung, auf der über die Betroffen
hinweg von nicht betroffenen älteren Menschen geredet wurde.
Essenz: Spannend war noch die Aufarbeitung des ersten Gleichstellungsberichts
der Bundesregierung durch Herrn Martin Rosowski, Hauptgeschäftsführer
Männerarbeit der EKD. Er stellte fest, dass der Bericht von seinem Ansatz her
das klassische Männerbild des Alleinverdieners und Ernährers der Familie vor
Augen hatte. Dementsprechend werden die Defizite der Umsetzung der Gleichstellung
einseitig bei den Frauen gesucht. Eigentlich müssten sie aber eher bei den
Männern gesucht werden.
Als politische Maßnahmen wurden dann die Abschaffung des Ehegattensplittings
zu Gunsten eines Kinderbezogenen Steuerausgleichs und eine Pflicht – Elternzeit
für Männer genannt.
An die Industrie wurde der Appell gerichtet, für eine
familienfreundliche Unternehmenskultur zu sorgen und die Vereinbarkeit von
Beruf und Familie in der Unternehmensplanung zu berücksichtigen.
Auch wurde angemerkt, dass Elternzeit von Seiten der Unternehmen fast
ausschließlich als Nachteil gewertet wird. Dabei wird übersehen, dass ein
Unternehmen auch von den Erfahrungen profitieren kann, die ein Mitarbeiter /
eine Mitarbeiterin in dieser Zeit gemacht hat.
Im weitesten Sinn zu diesem Thema habe ich das folgende Buch entdeckt:
Jesper Juul
Mann & Vater sein
Kreuz Verlag Freiburg
ISBN: 978-3-451-61044-8
Podiumsdiskussion mit Austausch zum Thema: macht Kinder froh und erwachsene ebenso – Evangelisches Familienzentrum. Mittendrin.
Hier war ein deutlicher Vorteil, dass man Vertreter/innen verschiedener
Familienzentren kennen lernen und mit ihnen ins Gespräch kommen konnte. Es
waren Familienzentren vertreten, die entweder an eine Pfarrei und / oder an
eine Kita angebunden waren. Eines entstand auch in Zusammenarbeit mit der
politischen Gemeinde.
Essenz: Von Kindergärten und Horten wird heute mehr erwartet, als diese
beim besten Willen leisten können. Über Erziehung und Bildung hinaus wird
Beratung, Seelsorge und Austausch als Bedürfnis der Eltern genannt. Das kann
aber nur geleistet werden, wenn eine KiTa zu einem Familienzentrum ausgebaut wird.
Und dafür braucht es eine hauptamtliche Kraft, die Projekte initiiert und Vernetzung
zwischen einzelnen Gruppen und Einrichtungen einer Gemeinde schafft.
Begegnungsabend zum Thema: Gottes Patchworkfamilie – schenken, schmecken, staunen
Eine Reise durch viele der christlichen Konfessionen, kabarettistisch
eingeleitet durch Wolfgang Bayer, der die typischen Marotten und Fettnäpfchen
der Konfessionen aufs Korn nahm.
Anschließend stellten sich Lutheraner, Katholiken, die Ausrichter der
Ökumenischen Kirchentage, syrisch Orthodoxe Kirche, Zwinglianer und Reformierte
vor.
Essenz: Nach wie vor wird viel zu oft betont, was uns voneinander
trennt. Der katholische Vertreter Detlef Stäbs, Domkapitular aus Rottenburg,
wiedersprach folgerichtig dem Titel „Patchworkfamilie“, denn das würde ja bedeuten,
dass wir aus unterschiedlichen Familien zusammengesetzt wären. In Wirklichkeit
aber seien wir doch alle Blutsverwandt, da wir alle aus dem gleichen Ursprung
heraus gewachsen seien.
Alois Glück vom ZDK betonte, dass man nicht so sehr bedauern sollte,
was noch nicht geht, sondern in freundschaftlicher Verbundenheit das machen
sollte, was machbar ist.
Zu diesem Thema passendes Buch:
Frére John von Taizè
Eine Gemeinschaft von Freunden
Verlag Neue Stadt
ISBN: 978-3-87996-963-0
Montag, 4. Mai 2015
Maiandacht zum Thema
Familie
Musikstück zum Einzug
Begrüßung, Eröffnung
Einführung
Maria, die Mutter Jesu, steht im Mai bei uns im Mittelpunkt. Eine Frau
und eine Mutter also. Eine, die die Sorgen und Nöte ihrer Familie kannte. Der
Alltag einer Familie war damals sicher nicht leicht. Der Haushalt ein mühsames
Geschäft; die Sorge um die Kinder groß. Maria, die Familienfrau, wie war sie?
Darüber möchte ich heute einmal mit Ihnen nachdenken.
Gebet:
Gütiger Gott,
in Maria hast du uns einen Menschen zum Vorbild gegeben, der die Sorgen
und Nöte des Alltags kennt und mit uns teilt. Wir wollen ihr Leben bedenken und
daraus lernen.
Lass uns daraus Kraft gewinnen, unseren eigenen Alltag in Familie und
Beruf zu meistern.
Durch Christus unseren Herrn. Amen.
Musikstück
Schriftlesung: Lukas 2, 41-52
Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr
zum Paschafest nach Jerusalem.
Als er zwölf Jahre alt geworden war,
zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach.
Nachdem die Festtage zu Ende waren,
machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne
dass seine Eltern es merkten.
Sie meinten, er sei irgendwo in der
Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den
Verwandten und Bekannten.
Als sie ihn nicht fanden, kehrten
sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort.
Nach drei Tagen fanden sie ihn im
Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen.
Alle, die ihn hörten, waren erstaunt
über sein Verständnis und über seine Antworten.
Als seine Eltern ihn sahen, waren
sie sehr betroffen und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das
antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht.
Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr
mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater
gehört?
Doch sie verstanden nicht, was er
damit sagen wollte.
Dann kehrte er mit ihnen nach
Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen
war, in ihrem Herzen.
Jesus aber wuchs heran und seine
Weisheit nahm zu und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.
Betrachtung
Auf dem Weg von Jerusalem nach
Nazareth wird der Knabe plötzlich vermisst. Wo treibt sich so ein Zwölfjähriger
schon herum? Natürlich bei seinen Freunden. Aber nein, der Kerl ist
verschwunden. Da kommt bei den Eltern Sorge auf. Sie malen sich alles Mögliche
aus, was geschehen sein könnte, und gehen den Weg nach Jerusalem zurück. Doch
keine Spur von ihm. In Jerusalem suchen sie drei Tage lang. Endlich finden sie
ihn im Tempel. Als wäre es das selbstverständlichste von der Welt, sitzt er
unter den Weisen und Gelehrten und diskutiert mit ihnen.
Klar, dass er sich jetzt Vorwürfe
seiner Eltern anhören muss. Doch seine Antwort wird umgekehrt zu einem Vorwurf
an die Eltern. Wie kann man nach einem suchen, von dem man wissen müsste, wo er
ist. Wusstet ihr nicht, dass ich in den Bereichen meines Vaters sein muss?
Für die Eltern ist das nicht leicht
zu verstehen. Für uns Eltern ist es oft nicht leicht, unsere Kinder zu verstehen.
Oft sind ihnen andere Dinge wichtiger, als die eigenen Eltern. Es ist eine der
größten Herausforderungen für Eltern, die Lebenswelt ihrer Kinder kennen und akzeptieren
zu lernen.
Die Kinder meinen es nicht böse.
Auch Jesus nicht. Er lebt in seiner Beziehung mit Gott. Der Zwölfjährige denkt
sicher nicht so weit, zu überlegen, was es für seine Eltern bedeutet, wenn er
einfach so verschwindet.
Wer Kinder hat, der hat auch Sorgen.
Das wissen alle Väter und Mütter. Auch Maria hat das erfahren.
Und manchmal nehmen die Sorgen so
überhand, dass wir meinen, an ihnen verzweifeln zu müssen.
Wir rechnen oft mit dem Schlimmsten.
Welche Erleichterung ist es dann, wenn alles gut raus geht.
Aber was hilft es, die Kinder
aufhalten zu wollen, wenn sie ihre eigenen Wege gehen wollen?
Bindet man sie dadurch stärker an
sich?
Im Gegenteil, manchmal ist es sogar
wichtig, die Kinder dazu zu ermuntern.
Ich selber bin lange zu Hause
geblieben und den Weg gegangen, den meine Eltern mir geraten hatten. Bis ich
dann gemerkt habe, dass es nicht der meine ist.
Als ich dann die Richtung ändern
wollte und zu studieren anfing, da waren meine Eltern enttäuscht. Ich hatte lange
Zeit keine enge Beziehung mehr zu ihnen. Mit meinem Vater sogar bis zu dessen
Tod überhaupt keine mehr.
Ganz anders reagiert Maria. Als Jesus sagt, warum er im Tempel ist, heißt es von Ihr nur: "Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen". Wenn ich etwas bewahre, dann muss es mir wertvoll sein. Maria wertschätzt, was Jesus tut. Sie lässt ihn seinen Weg gehen und geht mit.
Ganz anders reagiert Maria. Als Jesus sagt, warum er im Tempel ist, heißt es von Ihr nur: "Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen". Wenn ich etwas bewahre, dann muss es mir wertvoll sein. Maria wertschätzt, was Jesus tut. Sie lässt ihn seinen Weg gehen und geht mit.
Manchmal denke ich heute darüber nach,
wie ich einmal als Vater sein werde. Werde ich es schaffen, meine Tochter den
Weg gehen zu lassen, den sie will? Werde ich vermeiden können, sie in die eine
oder andere Richtung zu drängen? Werde ich immer einen guten Draht zu ihr
haben?
Wie finde ich den goldenen
Mittelweg, um ein guter Ratgeber zu sein?
Auch wenn unsere Kinder einmal
Irrwege einschlagen –
Sie haben unsere Liebe verdient. Wir
dürfen zuversichtlich sein, dass ihr Weg letztlich doch an ein gutes Ende
führt. Wenn wir meinen, nichts mehr tun zu können und keinen Einfluss mehr zu
haben, können wir immer noch für sie beten. Wir dürfen darauf vertrauen, dass
sie in Gottes Hand geborgen sind.
Musikstück
Gemeinsames
Gebet
Bedenken wir nun, was wir gehört
haben, indem wir ein Gesätz aus dem Rosenkranz beten:
Rosenkranzgesätz: den du, o Jungfrau
im Tempel wiedergefunden hast.
Fürbitten
Herr Jesus Christus, du Lehrer und
Hirte der Menschen, wir bitten dich:
Um gegenseitiges Verständnis und
Respekt zwischen jungen und alten Menschen.
Um Eltern und Erzieher, die jungen
Menschen Werte vermitteln, aber auch den nötigen Freiraum lassen und Talente
der Kinder erkennen.
Um Erwachsene, die Kindern und
Jugendlichen ein gutes Beispiel geben.
Um Ermutigung und Stärkung für all
jene Eltern, die es mit ihren Kindern schwer haben.
Um Trost und Unterstützung für die
minderjährigen Flüchtlinge, die zu uns kommen.
Um Hilfe für die vielen Familien,
die zur Zeit auf der Flucht vor
Verfolgung und Krieg sind.
Um den Mut zum Neuanfang, wo
Familien zu zerbreche drohen.
Dir, unserem Herrn, gebühren Dank
und Ruhm und Ehre heute und in Ewigkeit. Amen.
Magnifikat
aus dem Gotteslob:
Respons: 650, 3
Magnifikat: 634, 4
Musikstück
Segen
Herr unser Gott, Du hast Maria
berufen, die Mutter Deines Sohnes zu sein. Rufe auch uns in Deinen Dienst.
Herr Jesus Christus, mit Dir ist
Maria auf dem Weg gewesen, durch Leben, Tod und Auferstehung. Begleite auch uns
auf unserem Weg bis zum Ende.
Herr unser Gott, Du hast Maria zum
Segen für uns alle gemacht. Segne Du auch uns.
Und so segne uns der dreieinige
Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.
Schlusslied
Maria breit den Mantel aus
(Gotteslob Nr. 534)
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