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Ein Zelt der Begegnung mit Dir.

Samstag, 4. April 2015


Emmausgang

Einleitung:

Am Tag nach Ostern gingen zwei Jünger von Jerusalem nach Emmaus. Jesus unterwegs hatten sie eine  unerwartete Begegnung. Ich muss mich auf den Weg machen, damit ich unerwartetes erleben kann. Zu Hause begegne ich nur meinem Alltag. Deshalb gehen wir heute hinaus und lassen uns inspirieren, von der Natur, den Texten der Bibel und von Gedanken von Frére Roger. Ich habe sie bewusst ausgewählt, dieses Jahr ist es zehn Jahre her, dass Frére Roger gestorben ist und er würde heuer am 12. Mai seinen 100. Geburtstag feiern.

An jeder Station hören wir einen Text von ihm und einen Impuls von zwei Kindern vorgetragen. Wir setzen unseren Weg fort mit einem Lied. Nach einem kurzen Stück Weg lade ich sie ein, miteinander über die Impulse ins Gespräch zu kommen.

Wir beginnen mit einem Gebet von Frére Roger:

Auferstandener Jesus, du siehst, dass ich manchmal verloren,

wie fremd auf der Erde bin.

Aber in meiner Seele brennt ein Durst,

er ist Erwartung deiner Gegenwart.

Und mein Herz bleibt unruhig, bi es dir, Christus,

alles übergibt, was es fern hielt von Dir.

Amen.

 

Lied:  Meine Hoffnung und meine Freude

 

  1. Station

 

Evangelium:

 

Am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist.

Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.

 

Frére Roger:

 

In jedem Menschen findet sich ein Stück Einsamkeit, das keine menschliche Nähe auszufüllen vermag.

Und dennoch bist du nie allein. Lass dich ausloten bis in dein innerstes Sein, und du wist sehen, dass in der Tiefe deines Wesens, dort wo kein Mensch dem anderen gleicht, Christus dich erwartet. Und das unerwartete geschieht.

Christus ist nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen. Wenn du in der Stille deines Herzens lauschst, begreifst du, dass er die menschliche Kreatur niht demütigt, sondern auch noch das Beunruhigendste in dir verklärt.

Sollte dir unbehaglich werden, sobald du dich selbst entdeckst? Aber wer könnte dich verurteilen, wenn Jesus für dich betet? Wolltest du dich für alles anklagen, was dich umtreibt – deine Tage und Nächte reichten nicht aus.

Stellen sich Anfechtungen ein oder trifft dich Unverständnis vonseiten anderer, so vergiss nicht, dass aus derselben Wunde, in die die Unruhe eindringt, auch schöpferische Lebenskräfte erwachsen. Und es öffnet sich ein Durchlass, der vom Zweifel zum Vertrauen, von Fruchtlosigkeit zu schöpferischer Entfaltung führt.

 

Kind:

Ist der Weg auch lang und schwer, sehe ich das Ziel manchmal nicht mehr:

Ich fürchte mich nicht!

Ich gebe nicht auf!

Ich gehe weiter meinen Weg.

 

Lied:  Bleibet hier und wachet mit mir

 

2.    Station


 

Evangelium:

 

Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen.

Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, sodass sie ihn nicht erkannten.

Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen,

und der eine von ihnen - er hieß Kleopas - antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?

Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Wort und Tat vor Gott und dem ganzen Volk.

Doch unsere Hohenpriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen.

Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist.

Aber nicht nur das: Auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab,  

fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe.

Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht.

Da sagte er zu ihnen: Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben.

Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?

Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.

 

Frére Roger:

 

In seinem Evangelium sagt Johannes in einer überwältigenden Eingebung mit drei Wörtern, wer Gott ist: „Gott ist Liebe“. Wenn wir allein diese drei Wörter begreifen, kommen wir weit, sehr weit.

Was fesselt uns an diesen Worten? Dass wir in ihnen einer hellen, klaren Gewissheit begegnen: Gott hat Christus nicht auf die Erde gesandt, um irgend jemanden zu verurteilen, sondern damit sich jeder Mensch geliebt weiß und einen Weg in Gemeinschaft mit Gott finden kann.

Aber warum ergreift die Einen Staunen über eine Liebe, wissen sie sich geliebt, ja überglücklich? Und warum haben andere den Eindruck, wenig Beachtung zu finden?

Könnte es jeder begreifen: Gott begleitet uns bis in unsere unergründliche Einsamkeit. Zu jedem sagt er: „zu zählst viel in meinen Augen, du bist wertvoll für mich und ich liebe dich“. Ja, Gott kann nur seine Liebe schenken, darin liegt das ganze Evangelium.

Kurz vor seinem Tod versichert Jesus den Seinen, dass ihnen Tröstung zuteil wird: Er wird ihnen den Heiligen Geist senden, der ihnen Beistand und Tröster und stets nahe sein wird.

Auch heute sagt er leise im Herzen eines jeden Menschen: Ich lasse dich niemals allein, ich sende dir den Heiligen Geist, selbst wenn du tief verzweifelt bist, bleibe ich bei dir.

Den Trost des Heiligen Geistes zu empfangen heißt darauf aus sein, sich in Stille und Frieden ihm zu überlassen. Wenn dann manchmal Schlimmes geschieht, wird es möglich, darüber hinwegzukommen.

Und schon befinden wir uns auf einem Weg der Hoffnung. Gott lässt uns nicht allein. Er lässt uns auf eine Gemeinschaft zugehen, jene Gemeinschaft der Liebe, die die Kirche ist, so geheimnisvoll und so unentbehrlich zugleich.

 

Kind:

 

Jesus geht mit uns, auch wenn wir ihn nicht sehen.

Wo wir auch sind, wir können seine Nähe spüren.

Wenn wir uns anderen Menschen öffnen und in Ihnen ein Abbild Gottes erkennen, ist er da.

 

Lied:  Geh mit uns

 

3.    Station


 

Evangelium:

 

So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen, aber sie drängten ihn und sagten:

Bleib doch bei uns; denn es wird bald Abend, der Tag hat sich schon geneigt. Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.

Und als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen.

Da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr.

Und sie sagten zueinander: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?

Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt.

Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.

Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.

 

Frére Roger:

 

Umzingelt dich das Unbegreifliche? Wenn die Nacht undurchdringlich wird, ist seine Liebe ein Feuer. Von dir hängt es ab, ob du auf dieses Licht schaust, das in der Finsternis leuchtet, bis sich die erste Morgenröte zeigt und der Tag anbricht in deinem Herzen.

Du weißt genau: nicht du schaffst diese Quelle des Lichts, sie kommt von Christus.

Unerwartet zieht die Liebe Gottes vorüber, wie ein Blitz durchstreift der Heilige Geist jeden Menschen in der Nacht. Durch diese geheimnisvolle Gegenwart stützt dich der Auferstandene, er kümmert sich um alles und nimmt selbst schwere Bedrängnis auf sich.

Erst nachträglich, manchmal viel später, begreifst du, dass es nie an seiner Überfülle fehlt. Und du sagst: Brannte mir nicht das Herz, während er zu mir sprach?

Bleibst du dem Auferstandenen nahe, auch ohne ihn recht zu erkennen, in langen Zeiten der Stille, in denen sich nicht zu ereignen scheint?

Hier werden starke Entscheidungen erwogen. Hier bleibt kein Raum für unschlüssiges Hinterfragen.

Sag es ihm, wenn du kaum begreifst, was er von dir erwartet. Sag ihm alles im schlichten Gebet, auch das Unsägliche.

 

Kind:

 

Ich will brennen für dich, will begeistert sein!

Ich will Ausschau halten nach jedem noch so kleinen Aufblitzen des Heiligen Geistes.

 

Lied: Wo zwei oder drei

 

Vater Unser

 

Gebet:

 

Auferstandener, wenn wir uns schlicht danach sehnen, deine Liebe zu empfangen, entzündet sich mit der Zeit zutiefst in uns eine Flamme. Diese Flamme, die der Heilige Geist nährt, mag zunächst flackern. Unerhört ist es, dass sie immer brenn ob wir es wissen oder nicht. Wenn wir begreifen, dass du uns liebst, wird uns das Vertrauen des Glaubens zum Lied.

 

Segen

 

 

Montag, 23. März 2015


5. Fastenimpuls: Erlösung


Erlösung, von was?

Bin ich nicht ein freier Mensch und an nichts gebunden?

Wozu also muss ich erlöst werden?

Jesus sagt:

Sorgt euch nicht um euer Leben und darum dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung?

 

Als freier Mensch wird jeden Tag verlangt, dass ich Entscheidungen treffe. Das ist nicht immer einfach. Ich brauche dazu etwas, woran ich mich orientieren kann. Doch wie finde ich solche Orientierungspunkte?

Oft orientiere ich mich an weltlichen Vorgaben: Werbung, Lifestyle, Zeitschriften, Fernsehen.

Ich finde dort Ideale der Schönheit, der Lebensführung, wie ich meine Umgebung gestalten kann.

Aber was, wenn ich diesen Idealen nicht entspreche?

 

Eine Geschichte:

Ein Löwe war auf Beutezug und fing eine Maus. Die Maus bettelte um Gnade: „lieber Löwe, lass mich gehen, ich könnte Dir ja noch einmal nützlich sein!“ Der Löwe lachte und sprach: „wie willst Du kleines Tier mir starkem Löwen nützen?“ „Gib mir einen Monat, und ich will es dir beweisen. Wenn nicht, kannst du mich immer noch fressen“.

Einige Tage später geriet der Löwe in ein Netz, das Wilderer an einem Baum befestigt hatten. Er war gefangen und so sehr er auch an den Tauen zerrte, er kam nicht frei.

Da kam die Maus des Weges und kletterte hinauf zu dem Seil, das das Netz hielt. Sie knabberte daran, bis es nachgab, das Netz fiel zu Boden und der Löwe war frei.

 

Jeder Mensch hat Stärken, auch wenn sie nicht auf den ersten Blick sichtbar sind.

Wenn ich meine Stärken kenne und diese auch von anderen wertgeschätzt werden, dann kann ich mich von überzogenen Idealen befreien. Dann wirkt der befreiende Geist Gottes in mir.

 

Was ist demnach für mich Erlösung?

Wovon muss ich mich frei machen, um gut leben zu können?

Welche meiner Stärken helfen mir dabei?

Samstag, 21. März 2015




...und führe uns nicht in Versuchung - Bausteine für ein Andacht in der Familie

Bibelstelle:  Jakobus 1,13-17

Keiner, der in Versuchung gerät, soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung geführt. Denn Gott kann nicht in die Versuchung kommen, Böses zu tun, und er führt auch selbst niemand in Versuchung.



Jeder wird von seiner eigenen Begierde, die ihn lockt und fängt, in Versuchung geführt.

Wenn die Begierde dann schwanger geworden ist, bringt sie die Sünde zur Welt; ist die Sünde reif geworden, bringt sie den Tod hervor.

Lasst euch nicht irreführen, meine geliebten Brüder;

jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Gestirne, bei dem es keine Veränderung und keine Verfinsterung gibt.

Aus freiem Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit geboren, damit wir gleichsam die Erstlingsfrucht seiner Schöpfung seien.



Auslegender Text:

Eine kleine Palme wuchs kräftig am Rande einer Oase. Eines Tages kam ein Mann vorbei. Er sah die kleine Palme und konnte es nicht ertragen, dass sie so prächtig wuchs.

Der Mann nahm einen schweren Stein und hob ihn in die Krone der Palme. Schadenfroh lachend suchte er wieder das Weite. Die kleine Palme versuchte, den Stein abzuschütteln. Aber es gelang ihr nicht. Sie war verzweifelt.

Da sie den Stein nicht aus ihrer Krone bekam, blieb ihr nichts anderes übrig als mit ihren Wurzeln immer tiefer in die Erde vorzudringen, um besseren Halt zu finden und nicht unter der Last zusammenzubrechen.

Schließlich kam sie mit ihren Wurzeln bis zum Grundwasser und trotz der Last in der Krone wuchs sie zur kräftigsten Palme der Oase heran.

Nach mehreren Jahren kam der Mann und wollte in seiner Schadenfreude sehen, wie wohl verkrüppelt die Palme gewachsen sei, sollte es sie überhaupt noch geben. Aber er fand keinen verkrüppelten Baum.

Plötzlich bog sich die größte und kräftigste Palme der Oase zu ihm herunter und sagte:

„Danke für den Stein, den du mir damals in die Krone gelegt hast. Deine Last hat mich stark gemacht!“


Impulse, um ins Gespräch zu kommen:
Machen wir das auch, anderen Steine in den Weg legen? Ich muss einen ehrlichen Blick auf mein Leben werfen, um den Sinn der Versuchung zu erkennen. Kann ich das ändern?
 Oder legt uns jemand Steine in den Weg? Was sind alles Stolpersteine auf meinem Lebensweg?
Wie kann ich sie loswerden?
Wann machen sie mich stark, wie die Palme in unserer Geschichte oder wann belasten sie nur?

Dienstag, 17. März 2015


4. Fastenimpuls: Versuchung



 

 

Fragen zur Versuchung:                                       

 

  • Worin sehe ich Versuchungen in meinem Leben?
  • Wo ist bei mir der Wurm drin?
     
    Jesus du schaust auf mich
     
     

  • Wo fehlt es in meinem Leben an Licht?
  • Wer ist mein Lichtblick?
  • Wem würde ich einen Lichtblick wünschen?
     
     
    Jesus du mein Licht   
                                                      
     

  • Welche Rolle spielen für mich Schöpfer und Schöpfung?
  • Wie stehe ich zu „Mutter“ Erde?
     
     
    Jesus du Quelle des Lebens
     
     

  • Wie kann es mir gelingen geduldig zu sein?
  • Welche persönlichen Begierden kenne ich?
     
     
    Jesus du kennst mich
     
     
                „Mach dass wir nicht in Versuchung hineinkommen“
    (Frere John, Taize`)
     
     
    Jesus du an meiner Seite
     

 

Donnerstag, 12. März 2015


Hier gibt es wieder Bausteine für eine Andacht in der Familie. Diesmal zum Thema Versöhnung:

Bibelstelle: Matthäus 18, 21-35


 

Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal?

Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.

 Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Dienern Rechenschaft zu verlangen.

 Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war.

Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen.

 Da fiel der Diener vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen.

 Der Herr hatte Mitleid mit dem Diener, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld.

 Als nun der Diener hinausging, traf er einen anderen Diener seines Herrn, der ihm hundert Denare schuldig war. Er packte ihn, würgte ihn und rief: Bezahl, was du mir schuldig bist!

Da fiel der andere vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen.Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe.

Als die übrigen Diener das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war.

 Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Diener! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich so angefleht hast.

Hättest nicht auch du mit jenem, der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?

 Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe.

 Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergibt.

 

 

Auslegender Text:

 

Wie oft soll man vergeben?

Fragt Petrus Jesus im Evangelium.

Siebenmal?

Nein Siebenundsiebzigmal.

Ist die Antwort.

Jesus hätte gleich sagen können: immer.

Das wird den Petrus und die Seinen bestimmt nicht zu Beifallsstürmen bewogen haben. Eher zu nachdenklichem und unverständlichem Stirnrunzeln.

Erinnerungen an erlittenes Unrecht oder an ganz besonders unangenehme Zeitgenossen ermutigen oft zu allem anderen als zu noblen Verzeihungsgesten. Damals nicht anders als heute.

Die Hand zur Versöhnung wird meistens erst ausgestreckt, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Man hat ja schließlich seine Erfahrungen gemacht.

Außerdem hat man ja auch seinen Stolz und eine gewisse Härte ist halt manchmal wirklich notwendig.

Solche Sprüche und Denkweisen sind nur allzu menschlich, aber eben nicht göttlich.

Gott ist anders – Gott sei Dank!

Jesus bringt es mit seinem Gleichnis auf den Punkt. Gottes Barmherzigkeit ist nicht zu überbieten. Sie widerspricht allem menschlichen Rechtsempfinden und bringt alle Ordnungsmuster für eigene Urteile völlig durcheinander.

Sie ist allerdings alles andere als blindäugig.

Sie ist nicht ziellos. Gott ist nicht gönnerhaft gelangweilt, so als wären die Sündenfälle seiner Geschöpfe nichts anderes als Peanuts für den über allem thronenden Herrn der Welten.

Gott interessiert sich. Seine Barmherzigkeit hat die Entwicklung des Menschen, sein Reifen und Heranwachsen im Blick.

Und der uns Hinweise gegeben hat, sein Sohn, Jesus von Nazareth, hat nicht nur von Barmherzigkeit geredet, er hat sie vorgelebt.

Sein Umgang mit den Schattengestalten seiner Welt, mit den Huren und Zöllnern, mit manch anderen an den Hecken und Zäunen bleibt auch heute noch provozierend.

Weil diese Art von Liebe verwundbar ist. Damals wie heute.

Die Angst vor Enttäuschung führt geradewegs in den Kerker der Rechthaberei. In die Kälte. Wer dahin will, den lässt Gott ziehen.

Nah bleibt er denen, die wenigstens versuchen, seine Barmherzigkeit zu lernen. Und sie – so sie es können – mit ihrem Leben buchstabieren.

 
Gebet:
Mein Gott, ich bin enttäuscht und verletzt worden.
Ich fühle mich von Freunden im Stich gelassen, die mir nahe waren.
Ich ärgere mich über andere – und über mich selbst.
Misstrauen und Argwohn wollen sich in meinem Herzen Raum schaffen.
Bitte, lass es nicht zu.
Hilf mir, was geschehen ist, nicht bitter festzuhalten.
Hilf mir, den ersten Schritt zu tun zu einem neuen Anfang mit den Anderen und mit mir selber.
Lehr mich zu vergeben und schenke Kraft und Mut, das Vertrauen wieder aufzubauen.
Amen.

Montag, 9. März 2015


3. Fastenimpuls 2015

Psalm 32

Glücklich, wem die Schuld vergeben wurde,*

Wer von seiner Sünde entlastet ist.

 

Glücklich, wem der Herr die Schuld nicht zur Last legt, *

Wer keine Falschheit im Herzen hat.

 

Solange ich es verschwieg, verfiel mein Leib,*

Den ganzen Tag musste ich seufzen.

 

Deine Hand lag schwer auf mir*

Bei Tag und bei Nacht.

 

Meine Lebenskraft war verdorrt*

Wie durch die Glut des Sommers.

 

Da bekannte ich Dir meine Sünde und verbarg nicht länger meine Verfehlungen.*

Ich sagte: ich will dem Herrn meine Schuld bekennen.

 

Und Du hast mir die Schuld vergeben,*

Hast mir meine Sünde verziehen.

 

Wer Dir treu sein will, soll in der Bedrängnis zu Dir beten.*

Fluten hohe Wasser heran, sie werden ihn nicht erreichen.

 

Du bist meine Zuflucht in der Not,*

Du bewahrst mich vor der Angst.

 

Freut euch am Herrn und jauchzt, ihr Gerechten.*

Jubelt alle, ihr Menschen mit redlichem Herzen.

 

 

Petrus trat zu Jesus hin und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal?

Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.

 

 

Was sagt mir der Psalm heute? Finde ich etwas davon in meinem heutigen Tag?

 

 

 


Freitag, 6. März 2015

Der zweite Fastenimpuls hat das Thema: Unser tägliches Brot gib uns heute.
Die folgende Bibelstelle und die Gedanken dazu können wieder als kleine Andacht in der Familie betrachtet werden.
Auch den Psalm kann man dazu beten.    
                                                            
Psalm 78


Mein Volk, vernimm meine Weisung!*
Wendet euer Ohr zu den Worten meines Mundes!


Was wir hörten und erfuhren, was uns die Väter erzählten,*
das wollen wir unseren Kindern nicht verbergen, sondern den kommenden Generationen erzählen:


die ruhmreichen Taten und die Stärke des Herrn,*
die Wunder, die er getan hat.


Er stellte sein Gesetz auf in Jakob, gab in Israel Weisung*
und gebot unseren Vätern, ihre Kinder das alles zu lehren


damit die  kommenden Generationen davon erfahren,*
die Kinder späterer Zeiten;


sie sollten aufstehen und es weitergeben an ihre Kinder,*
damit sie ihr Vertrauen auf Gott setzen, die Taten Gottes nicht vergessen und seine Gebote bewahren


Er ließ Manna auf sie regnen als Speise,*
er gab ihnen Brot vom Himmel.


Da aßen die Menschen Wunderbrot;*
Gott gab ihnen Nahrung in Fülle.


Er ließ den Ostwind losbrechen droben am Himmel,*
führte in seiner Macht den Südwind herbei,


ließ Fleisch auf sie regnen wie Staub,*
gefiederte Vögel wie Sand am Meer.


Er ließ sie mitten ins Lager fallen,*
 rings um Israels Zelte.


Da aßen alle und wurden satt;*
er hatte ihnen gebracht, was sie begehrten.


 




Bibelstelle:  Mk 8, 1-9 

 

Damals waren wieder einmal viele Menschen bei Jesus versammelt, und sie hatten nichts zu essen. Da rief Jesus die Jünger zu sich und sagte:

 »Die Leute tun mir Leid. Seit drei Tagen sind sie hier bei mir und haben nichts zu essen.

Wenn ich sie jetzt hungrig nach Hause schicke, werden sie unterwegs zusammenbrechen; denn sie sind zum Teil von weit her gekommen.«

Die Jünger gaben zu bedenken: »Wo soll jemand hier in dieser unbewohnten Gegend das Brot hernehmen, um all diese Menschen satt zu machen?«

 »Wie viele Brote habt ihr?«, fragte Jesus, und sie sagten: »Sieben!«

 Da forderte er die Leute auf, sich auf die Erde zu setzen. Dann nahm er die sieben Brote, sprach darüber das Dankgebet, brach sie in Stücke und gab sie seinen Jüngern zum Austeilen. Die Jünger verteilten sie an die Menge.

 Außerdem hatten sie ein paar kleine Fische. Jesus segnete sie und ließ sie ebenfalls austeilen.

 Die Leute aßen und wurden satt und füllten sogar noch sieben Körbe mit dem Brot, das übrig blieb.

 Es waren etwa viertausend Menschen. Dann schickte Jesus sie nach Hause,

stieg mit seinen Jüngern in ein Boot.

 



 

Auslegender Text/ vertiefende Gedanken

 

Was ist das eigentliche Wunder an der Geschichte von der Brotvermehrung? Dass auf einmal genug für alle da war? Ach, denkt der Mensch des 21. Jahrhunderts, wenn das so einfach wär. Da kommt einer und segnet ein paar Brote und Fische und schon werden alle satt. Alle Probleme gelöst. Wir brauchen uns um Afrika keine Gedanken mehr zu machen. Auch nicht mehr ums Einkaufen. Alles ist ja im Überfluss da.

Wir können uns wieder auf die wesentlichen Dinge des Lebens konzentrieren: das neue Smartphone, die neuesten Modetrends, was läuft eigentlich heute Abend im Fernsehen?

Halt, so war das nicht gemeint.

Denn die Brotvermehrung allein macht nicht satt. Die Jünger haben die Brote und die Fische weitergegeben. Sie haben mit den anderen Menschen Gemeinschaft gehabt. Nur in der Gemeinschaft und im Teilen wird aus wenig mehr, wird etwas daraus, das wächst. Die Ähre des Weizens muss auch geteilt werden, erst dann kommen die Körner, die Saat zum Vorschein, die neues Getreide wachsen lassen kann.